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Sponsoring von Hochschulen – Risiken und Chancen

Hochschulen stehen heute vor einem Dilemma: Die Zahl der Studierenden ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Dies macht laufend Investitionen in den Ausbau universitärer Kapazitäten und Infrastrukturen erforderlich. Gleichzeitig haben Wissenschaft und Forschung für die Gesellschaft an Bedeutung gewonnen, um langfristig international die wirtschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu gewährleisten. Dabei stellt sich die Frage, wie der Hochschulbetrieb angesichts der erweiterten Aufgaben mit der erforderlichen Transparenz finanziert werden soll, ohne die Neutralität der Wissenschaft zu gefährden…

Die Grundfinanzierung der Hochschulen erfolgt in Deutschland zu etwa 75 Prozent durch die Bundesländer. Der Bund beteiligt sich mit rund 15 Prozent durch die Bereitstellung von Mitteln für die Förderung von wissenschaftlichen Projekten oder für Sonderprogramme wie etwa den Hochschulpakt oder die Exzellenzstrategie. Circa 10 Prozent der Hochschulfinanzierung stammen aus Drittmitteln, die private Träger zur Verfügung stellen. Mäzenatentum spielt dabei ebenso eine Rolle wie Spenden oder Sponsoring.

Stellt Sponsoring durch Wirtschaftsunternehmen die Neutralität der Wissenschaft infrage?

Sponsoring basiert auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung. Deshalb waren Hochschulleitungen lange eher zurückhaltend, Drittmittel von Wirtschaftsunternehmen anzunehmen. In Zeiten, in denen der interdisziplinäre und branchenübergreifende Wissenstransfer und die Kooperation mit Unternehmen immer wichtiger werden, um anwendungsorientierte Forschungsprojekte voranzutreiben, schwinden jedoch auch die Bedenken vor dem Hochschulsponsoring. Selbstverständlich dürfen dabei Aspekte wie absolute Transparenz, Rechtssicherheit und die Freiheit von Forschung und Lehre nicht außer Acht gelassen werden.

Hochschulsponsoring als Win-Win-Situation

Solange der Rahmen der Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten zwischen Hochschulen und Unternehmen klar abgesteckt ist, kann sich Sponsoring als Treiber einer fruchtbaren Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erweisen – etwa durch Forschungsprojekte, die relativ schnell in konkrete industrielle Applikationen münden – zum Beispiel in Feldern wie der Digitalisierung, der Bioökonomie oder im Quanten-Computing.

Für Sponsoren ist die Förderung wissenschaftlicher Arbeit nicht nur mit einem gesellschaftlichen Imagegewinn und Werbeeffekt verbunden, sondern auch mit dem unmittelbaren Zugriff auf die neuesten Forschungsergebnisse. Somit kann Sponsoring den technischen Fortschritt in unserem Land durchaus beflügeln.

Dennoch ist es wichtig, klar zwischen Schenkungen, Spenden und Sponsoring zu unterscheiden. So ist für die Leistung des Sponsors eine angemessene Gegenleistung zu erbringen, die dieser beispielsweise in seiner Unternehmenskommunikation oder Öffentlichkeitsarbeit nutzen kann. Außerdem legen verwaltungsrechtliche Vorschriften einen strikten Rahmen für das Sponsoring öffentlicher Einrichtungen fest. Sowohl Sponsoren als auch Hochschulen als Nutznießer von Drittmitteln aus privater Hand müssen sich mit diesen Bestimmungen vertraut machen, um strafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.